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Nachrichten und Geschichten

Unser Haus der Begegnung: MTO Sufi Verband e.V. eröffnet neues Zentrum in Frankfurt

Helle Räume, fein gearbeitete Spiegelkunst, die das Licht in tausend Facetten bricht: Wer das neue Zentrum der MTO Shahmaghsoudi in Frankfurt am Main betritt, sieht zunächst ein schönes Gebäude. Seine eigentliche Geschichte aber erzählt sich erst auf den zweiten Blick – und sie lässt sich in einer einzigen Zahl zusammenfassen: 5.800. So viele ehrenamtliche Stunden, fast drei Vollzeit-Arbeitsjahre, stecken in diesem Ort.

Mit diesem Bild eröffnete Dr. Galia Diez am vergangenen Samstag, dem 13. Juni, die Feier zur Einweihung des neuen Zentrums. Sechs Jahre habe die Suche nach einem passenden Zuhause gedauert, erinnerte sie – Jahre voller Gespräche, Hoffnungen und Rückschläge. Was man dem fertigen Haus heute nicht ansehe, seien die Menschen, die es möglich gemacht hätten. „Dieser Abend ist für uns weit mehr als die Eröffnung eines Hauses“, sagte Diez. „Er ist die Feier eines gemeinsamen Weges.“

Politik, Religion, Kultur zu Gast bei MTO

Dass zu dieser Feier zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Religion, Kultur und Zivilgesellschaft kamen, unterstreicht den Anlass. Ihre Grußworte sprachen Omid Nouripour, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Kaweh Mansoori, Stellvertretender Ministerpräsident des Landes Hessen und Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum, Claudia Korenke, Stadtverordnetenvorsteherin der Stadt Frankfurt am Main, sowie Leopold Born, Generalsekretär der CDU Hessen.

In ihren Beiträgen rückten die Gäste vor allem einen Gedanken in den Mittelpunkt: den Wert der Begegnung. Omid Nouripour brachte es auf den Punkt: „Der Sufismus und die MTO Shahmaghsoudi verbinden zwei zentrale Werte: Selbsterkenntnis und den Dienst am Menschen. Gerade diese Verbindung brauchen wir in unserer Gesellschaft heute mehr denn je.“ Kaweh Mansoori würdigte das langjährige Engagement der Gemeinde, betonte, die lange Suche habe sich gelohnt, und machte deutlich: Die MTO sei in Hessen angekommen und gehöre dazu. Claudia Korenke ermutigte die Gemeinde, sich noch bekannter zu machen – der Sufismus sei vielen Menschen bislang zu wenig vertraut – und im interreligiösen Dialog eine treibende Rolle einzunehmen. Und Leopold Born befand augenzwinkernd, gäbe es ein solches Zentrum nicht, müsste man es eigentlich erfinden.

Khaneghah – „Haus der Gegenwart“

In der Tradition der MTO trägt ein solcher Ort den Namen „Khaneghah“, wörtlich ein „Haus der Gegenwart“. Gemeint ist damit weniger ein Rückzugsort als ein Raum für Wissen, Austausch und Selbstreflexion – ein Platz, an dem Menschen für einen Moment innehalten und einander begegnen können. Genau dafür soll das neue Frankfurter Zentrum stehen: für Wissen, für Begegnung und für die Frage, wie wir bewusster, friedvoller und verantwortungsvoller miteinander leben.

Die MTO Shahmaghsoudi, Schule des Islamischen Sufismus, versteht ihren Weg dabei ausdrücklich nicht als Rückzug aus der Gesellschaft, sondern als Einladung, Verantwortung zu übernehmen – für sich selbst und für die Gemeinschaft. Diese Haltung zeigt sich seit Jahren im Frankfurter Engagement der Gemeinde: in regelmäßigen Spendenaktionen, in der Unterstützung wohnungsloser Menschen und geflüchteter Familien, in Kooperationen mit sozialen Einrichtungen sowie in Bildungs- und Kulturangeboten für die Öffentlichkeit. Hinzu kommen Meditationsworkshops, der interreligiöse Dialog und kulturelle Formate – vom Norouz-Fest bis zu künstlerischen Interpretationen zeitloser Werke wie „Leyla und Madschnun“ oder, in diesem Jahr, „Die Konferenz der Vögel“.

Sufi-Ensemble MTO Zendeh Delan

Musikalisch begleitet wurde der Abend vom Sufi-Ensemble MTO Zendeh Delan, dessen Beiträge bei den Gästen großen Anklang fanden. Im Anschluss an die Grußworte hatten die Besucherinnen und Besucher Gelegenheit, das Haus aktiv kennenzulernen: In kurzen Impuls-Workshops konnten sie die persische Spiegelkunst Ayeneh-Kari erleben, sich an der eleganten Nastaʿlīq-Kalligrafie versuchen, die Rahmentrommel Daf ausprobieren, erste Worte Persisch lernen oder mit Tamarkoz eine Methode der Konzentration und inneren Ruhe entdecken. Bei persischen Spezialitäten blieb anschließend viel Raum für Gespräche.

Möglich gemacht haben das Projekt viele Hände: Der Dank der Gemeinde gilt Prof. Nader Angha, dem 42. Meister der Schule, der das Vorhaben ermöglicht und unterstützt hat, ebenso den MTO-Zentren in Düsseldorf, Hannover, Köln und Hamburg sowie den europäischen Zentren in London, Paris, Stockholm und Kopenhagen. Für Planung und Umsetzung der Umbauarbeiten zeichnete die Myservices GmbH verantwortlich. Der größte Dank aber, so Diez, gelte den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, den Familien und Unterstützern – jenen Menschen also, die hinter der Zahl 5.800 stehen.

„Wir eröffnen heute nicht nur ein Gebäude“, schloss Diez. „Wir eröffnen ein Haus der Gegenwart – einen Ort des Lernens und der Begegnung.“

Ein Ort, der in den kommenden Jahren möglichst vielen Menschen offenstehen soll.

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